Herzlich willkommen an der IGS Wallstraße

Praktikums- präsentation 2018

Unsere Mensa

Unsere Schüler befragen Zeitzeugen aus dem KZ, 16.04.2018

Am Montag, dem 16.04.2018 hatten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen und des Leistungskurses des 12. Jahrgangs die Gelegenheit, den Erzählungen von Moshe Nordheim und seiner Schwester Batshewa Molodic zuzuhören. Diese hatten gemeinsam das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von einer Schülerin und zwei Schülern aus dem Geschichtsleistungskurs von Herrn Arns. Der Kontakt zu Nordheim kam über Herrn Heldt, der als abgeordneter Lehrer an der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel arbeitet, zustande.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können als der 84-jährige begann seine Geschichte zu erzählen. Er wuchs in einer Arztfamilie in Amsterdam auf. Er ging dort zur Schule und war der einzige Junge jüdischen Glaubens in seiner Klasse, was aber weder für ihn noch für seine Mitschüler von großer Bedeutung war. Dies änderte sich mit der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten. Nordheim musste nun eine jüdische Schule besuchen und den gelben Davidsstern sichtbar an seiner Kleidung tragen. Aufgrund dieser Kennzeichnung wurde Nordheim mehrfach von anderen Jugendlichen beschimpft und geschlagen. In der Schule verschwanden mit der Zeit immer mehr seiner Mitschüler. Seine Familie blieb zunächst von den Deportationen verschont, weil der Vater als Arzt im jüdischen Krankenhaus arbeitete und deshalb einen „Sperr“-Vermerk im Personalausweis trug. Dennoch traf die Familie Vorbereitungen und versteckte Nordheims jüngste Geschwister bei holländischen Christen.

Im Juni 1943 wurde Familie Nordheim dann nach einer Razzia zunächst in das Übergangslager Westerbrook und von dort aus nach Bergen-Belsen deportiert. Bergen-Belsen diente den Nationalsozialisten als Austauschlager, d. h. die KZ-Insassen wurden für den Austausch gegen deutsche Kriegsgefangene festgehalten. Dennoch war auch hier Hunger und Tod an der Tagesordnung. Als Nordheim über Bauchschmerzen klagte, die sich von den Bauchschmerzen durch Hunger unterschieden, diagnostizierte sein Vater bei ihm eine Blinddarmentzündung, die lebensbedrohlich war. Dank einer Notoperation ohne Betäubung durch einen griechischen Mithäftling, der Chirurg war, konnte Nordheim überleben. Durch den Vitaminmangel konnte die Narbe jedoch nicht verheilen. „Welcher Schuster hat das denn genäht?“, wird Nordheim heute noch von Ärzten, die seine Geschichte nicht kennen gefragt.

Sichtlich bewegt berichtete Nordheim auch von seiner Befreiung und dem anschließenden Tod seines Vaters. Per Zug sollten die Lagerinsassen aufgrund des Vorrückens der  Briten und Amerikaner nach Theresienstadt gebracht werden. Dabei geriet der Zug vor Tröbitz bei Wittenberg in die russische Frontlinie. Doch zunächst war an Freiheit nicht zu denken, da es in den Zugwagons viele Typhuserkrankungen gab und sie nicht herausgelassen wurden. Erst nach zwei Tagen wurden sie in das verlassene Dorf gebracht und einer Wohnung zugewiesen. Dort fanden sie Vorräte im Keller, über die sie sich aber nicht sofort hermachten. Stück für Stück, so Nordheims Vater,  müsse der Körper sich wieder an Nahrung gewöhnen, so könne man wieder zu Kräften kommen. Nordheims Vater kam nicht wieder zu Kräften. Die Typhuserkrankung hatte ihn zu sehr geschwächt und so verstarb er knapp einen Monat nach der Befreiung. „Er hat zwar die Befreiung mitbekommen, aber das Lager nicht überlebt“, so Nordheim.

Eine weitere interessante Geschichte wäre die Suche nach den Geschwistern gewesen, erzählte Batshewa Molodic. Diese wurden nach der Rückkehr in die Niederlande gefunden, auch dank der gut organisierten Arbeit des niederländischen Widerstands. Gemeinsam mit den Geschwistern emigrierte Moshe Nordheim 1946 nach Palästina.

Im Anschluss an Erzählung stellten vor allem die Schüler aus dem 12. Jahrgang Fragen an das Geschwisterpaar. So wollten sie z. B. wissen, ob die beiden auf Anne Frank getroffen sind. Dazu sei das Lager jedoch zu groß gewesen. Nach dieser Geschichte war es einem Schüler auch besonders wichtig zu wissen, was Nordheim Holocaustleugnern sagen würde. Als einer der letzten Überlebenden müsse er seine Geschichte erzählen und an den schrecklichen Holocaust erinnern, damit so etwas nie wieder passieren kann. In den Augen der Schülerinnen und Schüler tat er dies eindrucksvoll.

Heldt

Fotos: D-M

 

 

Das Wolfenbütteler Schaufenster schrieb dazu: Das Leben in einem Nazi-KZ eindrucksvoll geschildert - Schüler erschüttert

Die Braunschweiger Zeiung schrieb dazu: Wolfenbütteler IGS-Schüler befragen Zeitzeugen aus dem KZ

Zur Startseite

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.